Märchen

Vom Richter und vom Teufel

By
on
20. November 2016

Einmal fuhr ein Richter in die Stadt zum Markt. Unterwegs traf er den Teufel.
„Lass mich ein Stückchen mitfahren, Richter“, sagte der Teufel.
„Komm, setz dich zu mir, Teufel“, sprach der Richter und machte ihm neben sich auf dem Wagen Platz.
Sonst nahm er nie jemanden mit, aber vor dem Teufel hatte er ja doch Angst.
Sie trafen einen Greis, und der jagte ein Schwein von der Straße fort.
„Der Teufel soll dich holen, verrücktes Ferkel“, rief er dabei.
„Hol dir doch schnell diesen Braten!“ sagte der Richter zum Teufel.
„Ach nein“, schüttelte der Teufel den Kopf. „Der Alte da hat es ja nicht wörtlich gemeint.“
Sie fuhren weiter, und ein kleiner Junge lief ihnen in den Weg. Sie hätten ihn fast überfahren, aber die Mutter erwischte ihn und zog ihn schnell von der Straße.
„Der Teufel soll dich holen, du Lausejunge du“, schrie sie ihn an.
„So nimm dir doch diesen Buben, wenn ihn dir die Mutter gibt!“ stieß der Richter den Teufel an.
„Aber die Mutter meint das ja nicht wörtlich“, sagte der Teufel.
Sie fuhren weiter und trafen ein altes Weiblein, der unlängst der Richter die Ziege fortgenommen hatte, weil sie auf der Gemeindewiese weidete.
Als ihn das Weiblein sah, drohte sie ihm mit der Faust: „Der Teufel soll dich holen, Richter, denn du begaunerst arme Leute!“
„Diesmal hat es das alte Weiblein wörtlich gemeint“, sprach der Teufel zum Richter, packte ihn an Kragen und schleppte ihn in die Hölle.

Schwedisches Märchen

TAGS
RELATED POSTS
Wolf
Konstanz