Märchen

Von Aldar-Kose und seinem Zaubermantel

By on 16. Oktober 2016

Aldar-Kose war ein fröhlicher und kluger Bursche. Stets wusste er sich mit den Dingen Rat, und nie geriet er in Schwierigkeiten. Überall in Kasachstan sah man ihn gern, und überall freute man sich auf ihn.
Doch der Winter kam, und Aldar-Kose wurde traurig. Ein kalter Wind wehte, und er zog mutterseelenallein durch die Steppe, weit und breit war kein Mensch zu sehen. Sein Pferd lahmte, und sein Mantel hatte siebzig Löcher und neunzig Flicken. Und da erblickte er vor sich einen Reiter. Er hatte ein schönes Pferd und einen warmen Fuchspelz. Bestimmt war das irgendein reicher Mann. Aldar-Kose richtete sich im Sattel auf. öffnete seinen Mantel und begann zu singen.
„Ist dir denn nicht kalt?“ wunderte sich der Reiche. „Dein Mantel besteht doch nur aus Löchern, und du singst noch!“
„Das ist ja eben das Glück, dass mein Mantel nur aus Löchern besteht. Durch ein Loch dringt der Wind ein, durch das andere entweicht er wieder. Und die Wärme bleibt bei mir. Dir hingegen muss es in deinem Fuchspelz kalt sein.“
„Mir ist kalt“, gab der Reiche zu. „Verkauf mir doch deinen Mantel.“
„Der ist nicht zu verkaufen. Dann würde ich ja frieren.“
„Ich gebe dir Geld, und meinen Pelz gebe ich dir auch.“
„Gut“, stimmte Aldar-Kose nach einer Weile zu. „Wir wollen also unsere Mäntel tauschen, aber die Pferde tauschen wir auch. Und dein Geld kannst du behalten.“
Der Reiche gab Aldar-Kose seinen Fuchspelz und das schöne Pferd, nahm sein lahmes Pferd und den Mantel mit den siebzig Löchern und den neunzig Flicken und freute sich, dass er so einen guten Kauf gemacht hat. Aldar-Kose zog den warmen Pelz an, sprang aufs Pferd und jagte davon. Am Abend erzählte er dann im Dorf von seinem Wundermantel mit den siebzig Löchern und den neunzig Flicken. Und alle lachten, wie Aldar-Kose den Reichen überlistet hat.

Kasachisches Märchen

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