Märchen

Wie Matti Spaßvogel dem Bären Geige spielen lehrte

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25. September 2016

Es war einmal ein alter Mann und eine alte Frau, und sie hatten zwei Söhne. Den älteren nannten sie Toivo Brummbär. Er war ein braver, fleißiger Knabe, aber immer missmutig. Nie lachte er, nie sang er, nur seine Pfeife rauchte er fortwährend. Er fing Fische und schwieg, er fällte Bäume und schwieg, er hobelte die Ski und schwieg. So ein Brummbär war das, dieser Toivo.
Den jüngeren nannten sie Matti Spaßvogel. Auch er war ein braver Junge, doch hatte er nur Witze und Streiche im Kopf. Wenn er irgendeine Arbeit anfing, begann er sofort ein Lied zu singen; wenn er mit jemandem sprach, begann er sofort zu lachen. Und wenn er begann, seine Geige zu spielen, hielt es niemand mehr auf seinem Sitz aus, jeder musste tanzen. So ein Spaßvogel war das, dieser Matti.
Einmal ging Toivo Brummbär in den Wald, um Holz zu holen. Er fuhr mit seinem Schlitten an einen windstillen, Ort, zündete sich seine Pfeife an, suchte sich eine schöne Föhre aus und machte sich an die Arbeit. Er hackte, dass die Späne flogen, und die Schläge waren im ganzen Wald zu hören. Etwas weiter befand sich eine Bärenhöhle, und die Schläge weckten den Bären.
„Wer schlägt denn hier und lässt mich nicht schlafen?“ sagte der Bär ärgerlich und kroch aus der Höhle.
Als Toivo den Bären erblickte, warf er die Axt weg, sprang auf den Schlitten und fuhr durch den Wald davon. Toivo kam nach Hause, ohne Holz und ohne Axt. Und zu Hause war es kalt, und es gab nichts, womit man heizen konnte.
So brach also Matti Spaßvogel in den Wald auf. Er fuhr mit seinem Schlitten in den Windschatten, stieg ab und sah eine schöne Föhre, schon halb gefällt, und daneben die Axt.
„Aha, hier also hat unser Toivo gefällt“, sagte sich Matti und ging an die Arbeit. „Doch zuerst will ich ein wenig Geige spielen.“
Er nahm die Geige und begann zu spielen, und sofort war es im Walde sehr lustig. Ein Stück weiter erwachte wieder der Bär in seiner Höhle, sprang hurtig auf die Beine und begann zu tanzen. Er tanzte und tanzte und rief Matti zu: „Junge, bring mir bei, wie man Geige spielt. Ich will den Bärenkindern aufspielen, damit sie tanzen können.“
Matti Spaßvogel lachte: „Warum denn nicht? Versuch es nur!“
Der Bär nahm die Geige und versuchte zu spielen. Er spielte und spielte, doch es war nicht anzuhören. Als träte man einer Katze auf den Schwanz. Matti nahm ihm die Geige fort und sagte: „Es geht nicht, Bär, du hast dicke Finger. Wir müssen sie etwas dünner machen.“
Er nahm die Axt, spaltete die Wurzel der Föhre, schlug einen Keil in den Spalt und befahl dem Bären: „Steck schön beide Pratzen hier herein und lass sie so lange drinnen, bis ich es sage!“
Der Bär steckte beide Pratzen in den Spalt, Matti schlug mit der Axt den Keil fort, der Spalt zog sich zusammen und zwängte dem Bären beide Pratzen ein.
„O weh, o weh, wie tut das weh!“ begann der Bär zu klagen.
„Da kann man nichts machen“, sprach Matti zu ihm. „Wenn du Geige spielen willst, musst du etwas erdulden!“
„Ich will nicht mehr spielen“, weinte der Bär. „Lass mich heraus!“
„Gut“, meinte Matti darauf. „Aber du wirst die Leute nicht mehr schrecken und sie durch den Wald jagen?“
„Nein! Nie wieder! Nur lass mich heraus!“
Matti befreite den Bären, und der Bär nahm die Beine unter die Arme, floh aus dem Wald und kehrte nie wieder zurück.
So ein Spaßvogel war das, dieser Matti!

Karelisches Märchen

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