Märchen

Wie die Fliege geheiratet hat

By on 11. September 2016

Eine Fliege putzte sich schön heraus und zog in die Welt. Unterwegs begegnete sie dem Schakal. Der Schakal sagte: „Wohin gehst du, Fliege, da du so herausgeputzt bist?“
„Wohin sollte ich schon gehen?“ antwortete ihm die Fliege, „ich suche einen Bräutigam. Ich will heiraten.“
„So nimm doch mich“, meinte der Schakal.
„Meinetwegen“, sagte die Fliege, „aber zuerst musst du singen, damit ich höre, was für einer du bist.“
Der Schakal sang, so schön er eben konnte, aber der Fliege gefiel das nicht.
„Nein, Schakal, du heulst ja, dich nehme ich nicht“, sprach sie und ging weiter.
Nach einer Weile traf sie einen Hund. Der Hund sagte:
„Wohin gehst du, Fliege, da du so herausgeputzt bist?“
„Wohin sollte ich schon gehen?“ antwortete ihm die Fliege, „ich suche einen Bräutigam. Ich will heiraten.“
„So nimm doch mich“, meinte der Hund.
„Meinetwegen“, sagte die Fliege, „aber zuerst musst du singen, damit ich höre, was für einer du bist.“
Der Hund sang, so schön er eben konnte, aber der Fliege gefiel das nicht.
„Nein, Hund, du bellst ja, dich nehme ich nicht“, sprach sie und ging weiter.
Als dritten traf sie das Grillenmännchen. Das Grillenmännchen sagte:
„Wohin gehst du, Fliege, da du so herausgeputzt bist?“
„Wohin sollte ich schon gehen?“ antwortete ihm die Fliege, „ich suche einen Bräutigam. Ich will heiraten.“
„So nimm doch mich“, meinte das Grillenmännchen.
„Meinetwegen“, sagte die Fliege, „aber zuerst musst du singen, damit ich höre, was für einer du bist.“
Das Grillenmännchen sang, so schön es konnte, und der Fliege gefiel das:
„Ja, Grille, du singst schön, dich will ich nehmen“, sagte sie und nahm das Grillenmännchen.
Als die Hochzeit vorüber war, schlachteten sie ein fettes Schaf. Aus seinem Fell machten sie sich ein Zelt, aus den kurzen Knochen Pflöcke, aus den langen Knochen Stangen, und bald hatten sie ein Dach über dem Kopf. Damit sie etwas zu essen haben, besorgte das Grillenmännchen Mehl. Die Fliege sagte sich, dass sie einen Kuchen backen wolle, und begann das Mehl zu sieben. Nach einer Weile war davon ihr Kopf ganz weiß.
„Fliege“, sagte das Grillenmännchen, „dein Kopf ist ja ganz weiß, schüttle ihn ein wenig, damit das Mehl weggeht.“
Die Fliege begann den Kopf zu schütteln, um das Mehl loszuwerden, und schüttelte und drehte ihn so lange, bis sie ihn abgedreht hatte. Als dies das Grillenmännchen sah, begann es zu lachen, und es lachte und lachte, bis es vor Lachen zerplatzte.
Und von dieser Zeit an heiraten Fliegen und Grillen nicht mehr.

Märchen der Berber

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